Maia schläft ein

Sie zittert, es ist so kalt, und das, obwohl sie so dicht in Decken gehüllt ist. Sie hört die Stimme nah bei ihrem Ohr. „Gute Nacht!“ Doch schon während sie das hört, verändert sich die Stimme, sie hört sich fremd an. Tief grollt es hinter ihr her. Maia taucht ab, stürzt, rutscht.
Alle Härchen auf ihren Armen stehen, als sie den Raum wiedererkennt. Eine Höhle hinter dem Haus, eine Höhle, durch die sie schon oft gestreift ist, wo sie sich versteckt hat, aber die Höhle ist kein Unterschlupf mehr, keine Sicherheit. Es ist noch jemand da. In letzter Zeit ist immer noch jemand da. Sie möchte weg, aber ihre Glieder reagieren nicht. Sie ist gelähmt.
Die Gestalt steht wieder vor ihr, sie hat etwas in der Hand, Maia weiß, dass sie es bald erkennen können wird.
„Komm her, es ist deines …“ – Immer, wenn die Gestalt anfängt zu reden, hat Maia fast das Gefühl zu wissen, wer vor ihr steht. Sie weiß es aber nicht wirklich, sie sieht das Gesicht nicht, und die Stimme stimmt nicht. Sie weiß wieder, dass das, was die Gestalt in der Hand hat, ein Fläschchen ist, wie man es Babys gibt.
Sie kann nicht verhindern, dass sie den Mund aufmacht, sie kann nicht verhindern, dass der Gummigeschmack des Schnullers ihren Mund füllt. Doch die Flüssigkeit … Milch? … die ihr nun in den Mund schießt, kann sie nicht schlucken, sie füllt ihr den Mund aus, sie erstickt, sie ertrinkt, es ist zu viel.
„Komm her, es ist deines …“ Maia steht wieder … immer noch? … vor der Gestalt, dieses Mal ist die Gestalt weiblich, sie hat große Brüste. Maia will weg, will schreien, aber dann sagt sie nur schwach: „Bitte … nicht schon wieder ….“ Und wo sie schon mal den Mund auf hat, stopft ihr die Gestalt wieder den Gummi rein. Sie zieht Maias Kopf an ihren weichen Busen, aber das ist nicht angenehm, obwohl es doch angenehm sein sollte. Ein Geruch geht von der Gestalt aus, der Maia abstößt. Und wieder füllt die Flüssigkeit ihren Mund aus. Es sind Klumpen drin, sie würgt, aber sie würgt erfolglos.
Eine Hand rüttelt sie leicht, aber sie will nur noch weg. Sie läuft so schnell, wie sie kann, rennt, ihre Füße berühren den Boden nicht, sie rennt, sie fliegt, und alles wird dunkel.

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Dieser Beitrag wurde am 31. Juli 2012 um 17:54 veröffentlicht. Er wurde unter Allgemein abgelegt und ist mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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