Maia macht eine Reise

Die Welt war Licht und es schmerzte Maia, als sie ihre Augen aufschlug. Neben ihr stand jemand, und es wirkte fast so, als ob das Licht von ihm ausging, oder war es eine Frau? Maia versuchte sich zu konzentrieren, aber sie bekam es nicht so richtig raus.
„Na, Maia, guten Tag! Schon was vor?“ – was für eine schöne Stimme, es fühlte sich an, als ob sie sie nicht hörte, sondern mehr spürte, als ob sie direkt in ihrem Kopf entstünde. – „Ähm, keine Ahnung, wer … wer bist du denn?“
Eine warme Hand legte sich auf ihre Schultern und schob sie sanft herum, führte sie zu einem Gefährt, wie Maia es noch nie gesehen hatte. Es sah fast aus wie ein Auto, wie man sie in alten Filmen sieht, mit langer Motorhaube und mit Leisten an den Seiten, wo man sich drauf stellen könnte. Es hatte kein Dach, und mehr Sitzreihen als ein Linienbus. Es war auch einfach zu groß und breit. „Magst du einsteigen? Mein Auto fährt überall hin, wir können damit ein Stück über den Himmel fahren.“
„Über den Himmel fahren, das kann mein Papa nicht …“- „Ja, ist schon cool, oder?“ –Maia saß auf der Sitzbank neben dem Lenkrad, also einer Art Beifahrersitz, in dem sie allerdings noch ihre halbe Klasse hätte unterbringen können. Das Licht startete den Motor. Maia wurde noch einmal unruhig: „Meine Mama hat gesagt, ich soll nicht mit Fremden mitfahren!“ – „Bist du dir sicher, dass Fremde schlimmer sind als die, die du kennst?“ Maia lehnte sich zurück. „Ich weiß nicht …“
Maia schaute herunter, sah weit unter sich kleine Punkte. „Schau mal, Menschen … und so klein!“ – „Ja, so klein, und jeder ist ein eigener Kosmos“, die Luft flimmerte, wenn die Stimme in ihrem Kopf sprach. „So klein sind die Menschen, so klein und ohnmächtig.“
Maia dachte über die Worte nach, aber sie wusste nichts von Macht. Sie schaute in eine weite Landschaft, sah Rundgeschliffene Berge, einen kleinen Krater, eine Schlucht, tief und schwarz. „So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen. Aber es ist so weit weg!“ – „Die Schönheit ist oft so weit weg …“ – „Ja, aber müsste sie nicht für mich da sein?“ Maia weinte, sie spürte ihre Tränen über die Wangen laufen, sie wusste nicht mehr, wann sie zu weinen angefangen hatte.
„Sie ist so weit weg, weil wir so hoch fliegen.“ Die Stimme klang, als ob sie ihren eigenen Worten nicht traute. „Fliegen wir dir zu hoch?“ – „Ich weiß nicht … ich möchte ganz hoch fliegen, aber ich habe auch Angst … meistens habe ich schon zu viel Angst, eine Treppe nach oben zu gehen … wie muss dann wohl fliegen sein …“
„Du fliegst ja schon, erinnerst du dich, die kleinen Menschen?“ – Maia erinnerte sich. Natürlich flogen sie, es muss doch fliegen sein, wenn man unter sich Landschaften sieht, oder? – „Aber warum spüre ich das dann nicht? Also dass wir fliegen? Du sagst, dass wir fliegen, aber ich spüre da nichts von, ich spüre überhaupt manchmal nichts mehr. Gar nichts mehr.“
„Vielleicht schläfst du besser ein bisschen!“ Die Hand zog sie sanft um, sie lag jetzt ausgestreckt auf der Beifahrerbank, von irgendwo kam eine Decke und legte sich über sie. „Ich will nicht schlafen,“ protestierte Maia, während ihre Augen sich langsam zitternd schlossen, „dann träume ich doch wieder, und ich habe Angst vor meinen Träumen!“ – „Du hast Angst vor der Wahrheit!“- Von wo kam die Stimme jetzt? Maia suchte noch, als sie mit einem letzten Gedanken einschlief: ‚Ja, das auch …“

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Dieser Beitrag wurde am 5. August 2012 um 17:20 veröffentlicht. Er wurde unter Allgemein abgelegt und ist mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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