Maia trifft die Königin

Maia hatte den Blick gesenkt, sie schaut auf die schwarzen und weißen Steine, die den Boden zu einem riesigen Schachbrett machen. Zwei Mädchen mit Waffen gehen neben ihr, sie kichern, können sich fast nicht halten. Ob das nicht der Situation unangemessen ist?
Die Mädchen bleiben stehen, sich krümmend vor Lachen, Maia geht weiter, wird aber immer langsamer, sie weiß nicht, ob sie sich weiter nähern darf. Dann klingt eine warme weibliche Stimme durch den Raum, fast so, als wäre die Sprecherin direkt neben ihr. „Komm ruhig näher Maia, hab keine Angst … und Ihr, Euer Gelächter will ich nicht in diesem Raum.“ Maia schaut zu den Mädchen zurück, und sie schaut ausdruckslos zu, wie die beiden von Falltüren, die direkt unter ihnen aufgehen, verschluckt werden.
Als sie sich wieder umdreht hat sie den Mut, die Königin direkt anzuschauen. Aber sie senkt den Kopf schnell wieder, sie ist zu … stark. Maia kniet sich vor die Königin, sie legt ihren Kopf auf ihr Knie. Ein Raunen geht durch den Raum, warmer Wind des Staunens. Maia beginnt zu erzählen:
„Als ich nach Hause kam, hat meine Mutter da gestanden und geheult. Sie hat gesagt, dass Papa tot ist, dass er in den Keller gegangen ist, dass er dann wohl einfach umgekippt ist, einfach umgekippt … er hat sich den Kopf aufgeschlagen, es muss furchtbar geblutet haben, er hatte doch so dünnes Blut von den Medikamenten … und Asko hat von seinem Blut geleckt … wir haben ihn einschläfern lassen …“
Ein Weinen, irgendwo hinter ihnen. Ein kleiner Junge kniet auf einem Teppich und weint. Maia hat ihn vorher nicht gesehen.
„Bei der Beerdigung waren so viele Leute, so viele … ich konnte alle sehen, ich habe nicht geweint … ich wusste nicht mehr, wie weinen geht… da waren die Verwandten, die Arbeitskollegen, ein paar Mitschüler … sie haben sich nicht getraut, zu mir zu kommen … sie wussten nicht, was sie sagen sollten.“
Ein paar Kinder stehen am Rand des Saals, sie winken schüchtern.
„Bin ich eine schlechte Tochter, weil ich keine Tränen hatte? … kann ich das mal irgendwann nachholen, später heulen, ist das in Ordnung?“
Die Königin legt ihr eine Hand warm auf den Kopf, die Hand geht weiter zu ihrem Nacken, streicht sanft herunter.
„Ich bin so müde…“ Maia möchte einen Moment schlafen, sie weiß aber nicht, ob sie darf.
Dann schläft aber alles ein, der ganze Hof. Die Wachen, die Höflinge, Maia sieht es aus den Augenwinkeln, während sie sich selbst verabschiedet.

Maia wacht auf, als großer Radau einsetzt. Ein Junge wird von Wachen durch den Saal gehetzt, er kommt ihr bekannt vor. Sie schaut der Königin in die Augen, die hat eine Frage:
„Warum hattest du keine Tränen? Ich hab um meinen Vater geweint …“
Maia konzentriert sich: „Wieso? Ähm, warum sollte ich um meinen Vater weinen? Ist ja nicht so, als ob er gestorben wäre …“
Sie steht auf, lässt die Königin auf ihrem Thron zurück. Sie hält den Kopf nun hoch, als sie über die weite Fläche geht. Wind streift sie. Was hatte es mit der Frage auf sich, was meinte die Königin. Maia fiel.

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Dieser Beitrag wurde am 19. August 2012 um 14:57 veröffentlicht. Er wurde unter Allgemein abgelegt und ist mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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