Der Mann, der sich nicht kannte

Als er aufwacht, kennt er sich nicht mehr. Ein Mann der nicht mehr jung ist, aber auch noch nicht alt. Der Anzug sitzt gut, die Uhr ist wertvoll. Er ist durch ein Fenster gefallen, man hat ihn aufgehoben und hierhin gebracht. Viele liegen hier, viele weinen, schreien.
Es geht ihm gut, den Umständen entsprechend. Aber wer er ist, dass kann er nicht sagen. Und die anderen sehen die Verbände im Gesicht, vom Haar ist etwas verbrannt. Er spricht mit den Anderen, geht durch die Reihen ihrer Betten. Sie erzählen ihm ihre Geschichte. Und er verschenkt seine Uhr.
Bald trägt er andere Kleidung, eine Jeans, ein Pullover, er möchte sich wohlfühlen. Und er geht weiter durch die Reihen, und er hört ihre Klagen. Den Namen des Mannes im Fernsehen kennt er nicht. Er schaltet das Fernsehen lieber aus. Er lauscht den Geschichten.
Er ist glücklich, wenn er helfen kann, und er flieht vor der Erinnerung. Er braucht keinen Schlaf, die Verbände werden weniger, man könnte ihn entlassen, aber er hilft und er weiß nicht wohin, also geht er weiter durch die Reihen der Anderen, er ist immer da.
Als seine Frau vor ihm steht, kann er nicht mehr fliehen, nicht mehr durch die Reihen gehen. Er wird alt, verwelkt und stirbt.

(Danke an ThoroughT, er hat mir den Anstoß gegeben, den ich brauchte)

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Dieser Beitrag wurde am 20. August 2012 um 10:40 veröffentlicht und ist unter Allgemein abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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