Maia sieht Rosa

‚Warum ist alles so widerlich rosa?‘ Maia fühlt sich, als ob sie durch irgendwelche Folien schauen. Alles wirkt sehr falsch. Auf einem Monitor sieht sie Dave, aber der ist nicht allein. Hier in der Überwachungszentrale gibt es nicht nur einen Monitor, es gibt, Maia zählt kurz, mindestens hundert, ach was, noch viel mehr.
Bei Dave ist ein Mädchen, blond, irgendwie auch hübsch. Maia versteht nicht.
„Und du weißt, wie man das macht?“ Maia hört die Stimme, als ob das Mädchen hier neben ihr stände.
„Hey, ist doch kein Problem, ist doch nur Mathe, soll ich vielleicht mit dir lernen?“
Was sagte Dave da? Was wollte er mit der Schickse? Die sollte nur kommen, diese, diese Rosa! Maia würde ihr die Augen ausstechen, sie erwürgen, sie …
„Das wäre total nett … ich mein, das war das alte Thema, bei dem neuen, weiß ich noch nicht mal mehr, wie es heißt …“
Sie gab mit ihrer Dummheit an. Maia musste fast würgen.
„Moment, das müssten dann doch die Strahlensätze sein, die kommen doch jetzt … Das ist ganz einfach, da geht es nur um Verhältnisse …“
Dave brauchte nicht mit seiner Dummheit angeben, jetzt gerade war sie ganz offenbar. Von was ließ er sich da einfangen? Von blond und doof?
„Also quasi strahlende Verhältnisse, was? Hast du auch ein strahlendes Verhältnis, Davey?“
‚Davey? Wie widerlich war das denn?‘ Maia sah sich um, ob es irgendeine Möglichkeit geben konnte, die Sache zu ändern, aufzuhalten. Während sie sich übrer die Knöpfe beugte, mit denen man vermutlich die Monitore bedienen konnte, hörte sie noch Dave:
„Och, noch nicht!? Aber was nicht ist …“
Sie drückte wild ein paar Knöpfe. Dabei schrie sie die verblassenden Monitore an:
„Das ist ja ekelhaft … das ist falsch! Hallo? Halloho! Noch irgendwer zu Hause? Das stimmt nicht, Dave geht nicht mit dieser Tussi!“
Die Geräusche verschoben sich, eine Party, eine leiser werdende Party, eine Tür wurde geschlossen. Die Monitore wurden grün. Und sie zeigten Dave und diese Rosa in einem – wie sollte man das nennen? – in einem Elternschlafzimmer.
„Und wie fangen wir es jetzt an?“ Dave klang nicht nur unschlüssig, er war auch nicht mehr auf der Höhe seiner Artikulation. In Maia stieg trauriger Hass hoch, als sie sah, wie Rosa ihr Top auszog. Dave fasste an, was ihm angeboten wurde.
Maia schaute sich fieberhaft um, sie suchte, da war ein Hebel. Sie legte ihn um.
In dem Elternschlafzimmer war plötzlich Licht, es war nicht mehr grün, sondern farbig. Und die anderen Partygäste standen um Dave und Rosa herum. Dave hatte immer noch seine Hände auf … Maia schaute weg.
„Was wollen die denn alle hier?“ fragte Dave. Er klang ein bisschen weinerlich.
„Wollen hier … ich … ich will nicht, dass die uns alle anschauen! Dreht euch weg! … ich will das nicht!“ Rosa wirft mit einem Kissen, aber es prallt an den reglosen Partygästen ab. Dann schaut sie direkt Maia an, also direkt die Kamera, die den Monitor speist, auf den Maia gerade schaut. Rosa schreit sie an:
„Scheiß Vollmond! Hör auf, mich anzuschauen!“ Sie keift.
„Der Vollmond schaut uns zu?“ – „Ja, da!”
Jetzt schaut auch Dave Maia an.
“Hallo Maia!”
Maia lässt sich hinter das Bedienpult fallen. ‘Das ist doch alles völlig bescheuert.’
Trotzdem hört sie die ebenfalls ziemlich betrunkene Rosa:
„Weißt du was … das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen!“ – „Echt?“ – „Außen Pappe und drinnen alles voll Alkohol!“
Maia kann nicht anders, es ist so falsch, sie lacht, lacht, bis sie einschläft.

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Dieser Beitrag wurde am 24. August 2012 um 11:43 veröffentlicht. Er wurde unter Allgemein abgelegt und ist mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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