Maia und die Kriegerin

Bäume, Moos, hier ist eine gute Stelle, um sich mal hinzusetzen. Maia mag die Luft hier, das Singen der Vögel. Und sie stört sich nicht daran, dass Leute vorbeikommen, sie lehnt sich zurück, den Rücken gegen einen Baum, und sie wartete auf irgendwas. Sie ist so müde.
Da hört sie einen Schuss, verdammt nah. ‚Jagt hier wer?‘
Sie springt auf, schaut sich um, und ja, vielleicht fünfzig Meter weiter auf dem Weg steht ein Mädchen in ihrem Alter, und sie hat ein Gewehr dabei. Sie legt an, entsichert, tut aber dieses Mal nur so, als ob sie schießen wolle. Maia ist zu neugierig, um nicht hinzugehen. Aber sie stehlt sich von Baum zu Baum, bleibt in Deckung.
Als sie zwanzig Meter an der Schützin dran ist, geht jemand auf sie zu, ein Mädchen, das Maia irgendwie bekannt vorkommt. Dieses andere Mädchen sagt etwas:
„Hi Maia, wie geht es denn so?“
‚Hat sie mich gemeint?‘ Maia ist verwirrt, fast tritt sie hervor. Da spricht das andere Mädchen, dass auch hinzugetreten ist: „Kommst du auch? Wir wollen gleich grillen? Wäre schön, wenn du mal wieder dabei wärst …“
Die Kriegerin reißt die Waffe hoch und schießt auf das erste Mädchen, dann noch mal auf die andere. Beide sind getroffen, aber sie bluten und schmelzen dabei weg. Wie Kerzen, nur ist es kein Wachs, der herunterläuft, es ist Blut, und nach kurzer Zeit ist nur noch ein bisschen Blut auf dem Waldboden.
Zwei weitere Mädchen gehen gerade an ihrem Baum vorbei.
„Nein, das wollte ich nicht, und ich habe wirklich versucht, ihr das klar zu machen …“ Worüber sprechen die beiden?
Die andere spricht die Kriegerin an:
„Psst … ähm, hi Maia … sag mal, können wir über die Sache reden? Nadja tut es leid …“ Die sagen auch Maia, heißt das Mädchen auch Maia? Und warum erschießt sie diese Mädchen auch? Ein Kopf fliegt an ihr vorbei.
Maia kann nicht mehr:
„Warum tust du das?“
Die Kriegerin scheint überhaupt nicht überrascht zu sein, dass sie auf einmal hinter dem Baum hervor kommt. Wenigsten zielt sie noch nicht auf sie.
„Was denn?“
„Na, du schießt um dich, du bringst sie alle um. Das ist doch …. Und warum nennen sie dich Maia? Ich bin doch …“ Die Kriegerin fällt ihr ins Wort.
„Ich bin gekommen, um zu bestrafen! Alle, die uns wehgetan haben … ich suche Ziele …“
Dann zielt sie auf Maia.
„Nein, lass das!“ schreit Maia, aber sie traut der Macht der Worte nicht und lässt sich fallen. Die Kriegerin schießt über sie weg.
Maia springt, kriecht, rennt weg, was gerade passt, und sie rollt immer wieder wie ein Soldat durch das Gras, damit sie nicht getroffen wird.
‚Warum haben sie sie Maia genannt? Warum, verdammte?‘ Gedanken rollen ihr durch den Kopf. ‚Wer ist Maia? Wer soll das schon sein …‘ Sie rollt sich uner ein Gebüsch. ‚Maia … ich hab gesehen, wie sie starb, mehr als einmal … ich hab gesehen, wie sie zerstört wurde … Wer ist Maia?‘ Jeder Gedanke tut verdammt weh, als ob die Schüsse sie getroffen hätten, mit der gleichen Geschwindigkeit rasen sie durch ihren Schädel. ‚Der Weg ist genauso schwarz wie meine Träume … ich dachte immer, ich wäre ein ganz normales Mädchen, vielleicht nur etwas aufmüpfig … und manchmal, da seh ich einfach rot, dann weiß ich nicht mehr, was los ist.‘
Sie geht weiter auf einem schwarzen Weg.

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Dieser Beitrag wurde am 26. August 2012 um 20:40 veröffentlicht. Er wurde unter Allgemein abgelegt und ist mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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