Das Beste, was Füße tun können

Seien Schultern waren gebeugt, der Gang derer, die nichts für sich haben und nie Ausruhen können. Sein Gang war langsamer geworden, aber immer noch huschte er mehr, als das er ging. Er ging durch eine Tür, durch die er sonst nicht ging, er konnte nicht anders. Schuldbewusst dachte er daran, dass ihn gleich sicher jemand suchen würde.
Der Raum war nicht besonders, er war sicher auch nicht schön, und doch lud er ihn ein. Er schaute eine Minute zu, dann zwei und drei, und niemand hatte ihn dabei so wirklich bemerkt. Auch er selbst bemerkte sein Spiegelbild nicht, dass noch gar nicht mitbekommen hatte, dass in ihm etwas glänzte, ein Geist sich regte, von dem er angenommen hatte, dass er seit vielen Jahren schon allenfalls noch als knochiges Skelett in den Träumen spuken könnte.
Ein Akkord, einer von denen, die sofort verstehen lassen, traf ihn bis ins Mark. Er schloss seine Augen und hob den Kopf. Seine Füße suchten, probierten Schritte, fanden den Rhythmus. Er hörte ein Lachen, dass ihn schrecken ließ. Durfte er das hier? Doch der Geist nahm die Frage und warf sie mit lockerem Schwung des Handgelenks ungefähr drei Lichtjahre weit weg hinter sich.
Die Füße traten nun fester auf, und sein Spiegelbild, nun offenbar beeindruckt, zeigte, wie eine Welle durch den Körper lief. Alles, was bisher schwach gewesen war, wurde scharf und klar. Er verpasste einen schritt und lachte, weil es so schön zu wissen war, dass er ihn verpasst hatte. Im Takt flogen seine Hände wie aufgeregte Vögel in die Luft, und seine Schultern mussten sich mehr bewegen, als sie das seit vielen Jahren getan hatten. Ein scharfer Schmerz erinnerte an Jahre, und er spannte sich noch mehr, und lachte über diesen Schmerz, der ihn nicht aufhalten würde.
Es gab nur noch ihn und die Musik. In ihm war jeder Ton schon, bevor er wirklich zu hören war. Keine Achtelnote war vergessen, die Worte des Textes sprachen seine Lippen still mit, wenn er nicht aus lauter Freude lachte. Alle anderen waren leise geworden, sie schauten ihm zu, wie er vorher sie beobachtet hatte. Nein, noch erstaunter, und sie wussten, dass hier Magie im Spiel war.
Und zwei weitere Augen sahen ihn, schauten gebannt, denn diese Augen, die ihn doch so gut kannten, hatten ihn noch nie gesehen.

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Dieser Beitrag wurde am 28. September 2013 um 12:36 veröffentlicht und ist unter Allgemein abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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