Konzept: Trauer und Scham – Ein Smartmob

Ablauf:

15 – 25 Menschen treffen sich flashmobartig. Aufeinandertreffen sollte gut getimt und geprobt sein. Alle versammeln sich in einem etwa quadratischen Bereich, es sollte möglichst vermieden werden, dass Nichteingeweihte in diesem Bereich quasi eingefangen werden. Auf ein Signal hin frieren alle Teilnehmer ein.

Die Gruppe ist eingeteilt in zwei Gruppen plus einer Sprecherin/einem Sprecher. Letzteres spricht:

„Wir haben nicht gelernt. Nazis sind unter uns, und sie töten. Wir trauern um:“

Dann sagt es den ersten Namen und das dazugehörige Todesdatum. Daraufhin zählt die erste Gruppe bis 2 und spricht im Chor: „Wir trauern!“, die zweite Gruppe schließt direkt an: „Wir schämen uns!“ Während der Chöre tauen alle auf und gehen exakt zwei Schritte, dann frieren sie wieder ein. Haltet ungefähr eine Armlänge Abstand von den Mitspielern. Das Sprechende sagt nun die Namen der Naziopfer der letzten Jahre. Immer einen Namen nach dem anderen. Eine Liste findet man beispielsweise hier. Die Namen müssen klar und langsam und laut gesprochen werden. Das „Wir trauern“ wird gesprochen, das „Wir schämen uns“ eher gerufen. Die Liste ist lang und das ist auch der Charme der Aktion, man kann sich auf die letzten Jahre beschränken, aber wenn ihr die Liste abkürzt, bitte nicht unter fünfzig Namen. Es soll lang und quälend sein. Wenn die Liste abgearbeitet ist, sagt das Sprechende:

„Nazis sind unter uns, und sie töten. Dieses Land hat nicht gelernt!“

Dann löst sich der Mob auf und geht seiner Wege.

Vorbereitung:

Das Sprechende braucht eine gute Liste, in der es kein Verrutschen in der Zeile gibt. Natürlich darf man auch auswendig lernen. Wichtig: Es gibt naturgemäß einige Namen auf der Liste, deren Aussprache sich nicht aus dem deutschen Sprachgebrauch ergibt. Es ist wichtig, dass man Namen so ausspricht, wie sie ausgesprochen gehören. Ein bisschen Recherche ist ausdrücklich erwünscht.

Die Abfolge Einfrieren – zwei Schritte und sprechen – Einfrieren ist nicht besonders kompliziert. Trotzdem sollte man es vorher geprobt haben.

Requisiten und Kleidung:

Einheitliche Kleidung würde den Starteffekt zerstören, da man die Gruppe schon vorher als Gruppe identifizieren würde.  Die Mitwirkenden sollten in vielen Farben kommen, um ein buntes Bild zu zeigen. Die einzelnen Teilnehmer sollten aber bitte einfarbig oder Ton in Ton gekleidet sein, damit das Bild nicht zu unruhig wird. Requisiten gibt es abgesehen von der Liste nicht.

Noch ein bisschen Erklärung:

Schon seit Längerem denke ich über ein paar Konzepte nach, die zu Kunst werden könnten. Ich schaffe es im Moment nur selten, etwas zu verwirklichen, was diversen Faktoren unterliegt, die ich nur schwer verändern kann. Aber wenn ich schon selbst nicht wirklich dazu komme, kann ich ja wenigstens die Konzepte mal aufschreiben und ein wenig verbreiten, vielleicht mag ja jemand anders.

Der oben beschriebene Smartmob ist schlicht von der Inszenierung her, aber, wenn gut ausgeführt, sicherlich sehr stark in seiner Wirkung. Kleine Variationen könnten sein, dass ein zweites Sprechendes die Daten übernimmt, während das erste die Namen sagt. Man könnte, wenn man relativ viele Mitwirkende hat, zwei bis drei als normale Passanten verkleiden und nach ein paar Namen einzeln einsteigen lassen. Also faken, dass Leute durchs Beispiel angeregt, einfach spontan mitmachen – nein, das ist nicht ethisch verwerflich, sondern schlicht Show. Oder: Jeder Teilnehmer könnte eine Blüte in der hohlen Hand halten, die bei der Auflösung des Mobs fallen gelassen wird und damit ein Bild hinterlassen, das natürlich auch an das Niederlegen von Kränzen erinnert.

Formales:

Sollte jemand diesen Smartmob durchführen wollen, würde ich gerne davon erfahren. Je nach Entfernung wäre ich sogar gerne dabei. Außerdem hätte ich gerne ein bisschen Videomaterial, dass ich dann hier verlinken könnte. Bei sonstiger Veröffentlichung von Videomaterial oder Fotos bitte ich um Namensnennung und Verlinkung meiner eigentlichen Seite: http://www.hollarius.de

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Dieser Beitrag wurde am 29. März 2015 um 10:01 veröffentlicht und ist unter Allgemein abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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